(Über-)Lebensraum Streuobstwiese

Streuobstwiesen sind ein für die mitteleuropäische Kulturlandschaft typischer Lebensraum. Sie beherbergen eine grosse Zahl von Tier- und Pflanzenarten, die schwerpunktmässig in diesem Biotoptyp verbreitet sind.

Die Streu­obst­wiese besteht aus zwei grund­sätz­lich von­einan­der unab­hän­gi­gen Öko­sys­temen: Obst­baum und Grün­land. Tat­säch­lich besteht sogar eine gewisse Kon­kurrenz zwischen den beiden Teil­lebensräum­en mit ihren Be­wohn­ern um bei­spiels­weise Nähr­stoffe, Licht und Wär­me.

Streu­obst­wiesen stellen eines der letzten gross­fläch­ig vor­hande­nen, exten­siv bewirt­schafte­ten Öko­sys­teme der offe­nen Kultur­land­schaft dar. In Deutsch­land bzw. in ganz Mittel­europa ver­schwin­den diese "Kultur­bio­tope" zunehmend aus dem Land­schafts­bild.

Gefällte oder gerodete Hoch­stamm­obst­bäume auf Flächen für neue Sied­lungs- und Gewerbe­gebiete, ent­stellte und ver­stümmel­te Obst­bäume in noch vor Jahren in­takten und be­wirt­schafte­ten Obst­baum­alleen sind die Fol­gen un­mittel­bar ein­wirken­der Ge­fähr­dungs­fak­toren.

    

Streuobstwiese am Standort Felsberg:
Erhaltungszustand und Gefährdungspotenzial (2009/2010)

Der heutige Baumbestand ist, nachdem in den letzten Jahren eher halbherzig nachgepflanzt wurde, stark überaltert. Es mangelt an jungen, gesunden Bäumen. Die Pflege des Baumbestandes wurde voll und ganz vernachlässigt.

Der Grossteil des Bestandes zeigt durch die ausgebliebene Pflege starke Vergreisungssymptome, wie z. B. abgebrochene und dürre Äste, dicht verwachsene Kronen, keine Neutriebbildung und viel altes Fruchtholz ohne bzw. wenig Blütenknospen. Ein Regenerationsschnitt der vergreisten Kronen ist nur noch teilweise möglich.

    

Zustand des Baumbestandes: Wann genau der Baumbestand angelegt wurde konnte nicht mehr ermittelt werden. Die letzten Nachpflanzungen erfolgten augenscheinlich vor ca. 3 bis 4 Jahren. Ca. 50% des Gesamtbestandes sind Bäume mit erheblichen Alterserscheinungen oder Beschädigungen und schlecht gepflegter Nachpflanzungen.

Es wurde offensichtlich noch nicht einmal bemerkt, dass ettliche Nachpflanzungen eingegangen sind.

    

    

Zustand der Unternutzung: Der Standort zeigt sich zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme als in weiten Teilen Verbrachte und langjährig nicht genutzte Fläche. Es wurde seit mehreren Jahren nicht mehr gemäht und die Sukzession ist an einigen Stellen weit fortgeschritten. Es haben sich Trampelpfade gebildet, da das Gelände nicht gegen den Parkplatz mit z. B. einer Hecke abgesichert ist.

    

    

Die Grünlandpflege ist durch mechanische Pflege oder Beweidung mit Tieren durchführbar. Um möglichst vielen Tieren und Pflanzen den Lebensraum zu erhalten, darf nicht zu tief gemäht werden. Eine Bearbeitungshöhe von 10 cm bietet Kleinlebewesen Schutz.

Unterbleibt die Grünlandpflege, wie auf gegenständich betrachteter Wiese, dann werden durch den entstehenden Filz von abgestorbenen Pflanzenteilen viele Blumenkräuter wieder verdrängt. Es setzen sich robuste Gräser und Kräuter wie Brennnessel, Distel, Goldrute u. a. durch. Daneben überranken Sträucher, wie z. B. Brombeere u.a. Pioniergehölze die Streuobstwiese, die dann keine mehr ist.

    

Zielbild des Projektes

"Vom Wissen zum Handeln" – so könnte der Leit­gedanke der Öffentlichkeits­arbeit für Streu­obst­wiesen lauten. Einer grösseren Zahl an Verbrauchern muss klar gemacht werden, was Streuobst über­haupt bedeutet. Weiterhin geht es um den ökologischen, ökonomischen und qualitativen Vorteil der Streu­obst­produkte bzw. der Bedeutung der Streu­obst­wiese:

Nur wenn den Verbrauchern der vielfältige Nutzen ihrer heimischen Kultur­land­schaft bewusst ist, sind sie auch bereit, sich aktiv für ihren Erhalt einzusetzen. Dabei ist es nicht mit einmaligen Aktionen getan, sondern eine konstante Arbeit an diesem Thema ist erforderlich. Nur durch medien­wirksame Auftritte wird es gelingen, einen grösseren Verbraucher­kreis auf Streuobst­produkte aufmerksam zu machen. Dabei sollte auf die bereits bestehende naturschutz- und umwelt­pädagogische Arbeit aufgebaut werden.

Ansätze und Massnahmen:
Bildungsarbeit, Kommunikation und Marketing

1. Um die Streuobstwiese zur Umweltbildung nutzen zu können, sollten Hinweistafeln angebracht werden, die über die ökologische Bedeutung des Biotoptypes informieren.

2. Neben den bekannten Themen zur geologischen Entstehung der Region und den verschiedenen Lebensräumen und Biotopformen ist eine thematische Erweiterung über die Bedeutung von Streuobstwiesen denkbar. An dieser Stelle kann und sollte die Möglichkeit bestehen, Streuobst­produkte zu probieren und zu kaufen.

3. Als ökologische Bildungs­stätte und praktischer Pflegebetrieb bilden Lehrveranstaltungen, Seminare, Praktika, Vorträge und Wanderungen einen geeigneten Rahmen zur Wissens­vermittlung.

4. Auch Streuobstprojekte in Kindergarten und Schule führen Kinder und Jugendliche an die Natur heran, bringen frühzeitig ein Verständnis für Naturkreis­läufe und umweltverant­wortliches Handeln.

5. Projekte zum Naturerleben auf Streuobstwiesen mit Beobachtung der Bäume im Jahresverlauf, Baumschnitt, Hilfe bei Mäharbeiten, Bau von Nisthilfen und Aufsammeln/­Ernte von Äpfeln und den anderen Obst­sorten liefern ein breites und sinnvolles Betätigungs­feld.

6. Jugendliche können im Rahmen von z.B. Naturschutzjugend- Freizeiten/Aktivitäten an den praktischen Naturschutz herangeführt werden und die Bedeutung heimischen Obstes schätzen lernen. So lässt sich ein persönlicher Bezug zum Lebensraum Streuobstwiese herstellen. Die Freude an der praktischen Arbeit und am gemeinsamen Naturerleben (Betrachtung der Tiere, Reinigung und Pflege der Brutstätten) stehen dabei im Vordergrund.