
Streuobstwiesen sind ein für die mitteleuropäische Kulturlandschaft typischer Lebensraum. Sie beherbergen eine grosse Zahl von Tier- und Pflanzenarten, die schwerpunktmässig in diesem Biotoptyp verbreitet sind.
Die Streuobstwiese besteht aus zwei grundsätzlich voneinander unabhängigen Ökosystemen: Obstbaum und Grünland. Tatsächlich besteht sogar eine gewisse Konkurrenz zwischen den beiden Teillebensräumen mit ihren Bewohnern um beispielsweise Nährstoffe, Licht und Wärme.
Streuobstwiesen stellen eines der letzten grossflächig vorhandenen, extensiv bewirtschafteten Ökosysteme der offenen Kulturlandschaft dar. In Deutschland bzw. in ganz Mitteleuropa verschwinden diese "Kulturbiotope" zunehmend aus dem Landschaftsbild.
Gefällte oder gerodete Hochstammobstbäume auf Flächen für neue Siedlungs- und Gewerbegebiete, entstellte und verstümmelte Obstbäume in noch vor Jahren intakten und bewirtschafteten Obstbaumalleen sind die Folgen unmittelbar einwirkender Gefährdungsfaktoren.

Der heutige Baumbestand ist, nachdem in den letzten Jahren eher halbherzig nachgepflanzt wurde, stark überaltert. Es mangelt an jungen, gesunden Bäumen. Die Pflege des Baumbestandes wurde voll und ganz vernachlässigt.
Der Grossteil des Bestandes zeigt durch die ausgebliebene Pflege starke Vergreisungssymptome, wie z. B. abgebrochene und dürre Äste, dicht verwachsene Kronen, keine Neutriebbildung und viel altes Fruchtholz ohne bzw. wenig Blütenknospen. Ein Regenerationsschnitt der vergreisten Kronen ist nur noch teilweise möglich.

Zustand des Baumbestandes: Wann genau der Baumbestand angelegt wurde konnte nicht mehr ermittelt werden. Die letzten Nachpflanzungen erfolgten augenscheinlich vor ca. 3 bis 4 Jahren. Ca. 50% des Gesamtbestandes sind Bäume mit erheblichen Alterserscheinungen oder Beschädigungen und schlecht gepflegter Nachpflanzungen.
Es wurde offensichtlich noch nicht einmal bemerkt, dass ettliche Nachpflanzungen eingegangen sind.

Zustand der Unternutzung: Der Standort zeigt sich zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme als in weiten Teilen Verbrachte und langjährig nicht genutzte Fläche. Es wurde seit mehreren Jahren nicht mehr gemäht und die Sukzession ist an einigen Stellen weit fortgeschritten. Es haben sich Trampelpfade gebildet, da das Gelände nicht gegen den Parkplatz mit z. B. einer Hecke abgesichert ist.

Die Grünlandpflege ist durch mechanische Pflege oder Beweidung mit Tieren durchführbar. Um möglichst vielen Tieren und Pflanzen den Lebensraum zu erhalten, darf nicht zu tief gemäht werden. Eine Bearbeitungshöhe von 10 cm bietet Kleinlebewesen Schutz.
Unterbleibt die Grünlandpflege, wie auf gegenständich betrachteter Wiese, dann werden durch den entstehenden Filz von abgestorbenen Pflanzenteilen viele Blumenkräuter wieder verdrängt. Es setzen sich robuste Gräser und Kräuter wie Brennnessel, Distel, Goldrute u. a. durch. Daneben überranken Sträucher, wie z. B. Brombeere u.a. Pioniergehölze die Streuobstwiese, die dann keine mehr ist.
"Vom Wissen zum Handeln" – so könnte der Leitgedanke der Öffentlichkeitsarbeit für Streuobstwiesen lauten. Einer grösseren Zahl an Verbrauchern muss klar gemacht werden, was Streuobst überhaupt bedeutet. Weiterhin geht es um den ökologischen, ökonomischen und qualitativen Vorteil der Streuobstprodukte bzw. der Bedeutung der Streuobstwiese:
Nur wenn den Verbrauchern der vielfältige Nutzen ihrer heimischen Kulturlandschaft bewusst ist, sind sie auch bereit, sich aktiv für ihren Erhalt einzusetzen. Dabei ist es nicht mit einmaligen Aktionen getan, sondern eine konstante Arbeit an diesem Thema ist erforderlich. Nur durch medienwirksame Auftritte wird es gelingen, einen grösseren Verbraucherkreis auf Streuobstprodukte aufmerksam zu machen. Dabei sollte auf die bereits bestehende naturschutz- und umweltpädagogische Arbeit aufgebaut werden.
1. Um die Streuobstwiese zur Umweltbildung nutzen zu können, sollten Hinweistafeln angebracht werden, die über die ökologische Bedeutung des Biotoptypes informieren.
2. Neben den bekannten Themen zur geologischen Entstehung der Region und den verschiedenen Lebensräumen und Biotopformen ist eine thematische Erweiterung über die Bedeutung von Streuobstwiesen denkbar. An dieser Stelle kann und sollte die Möglichkeit bestehen, Streuobstprodukte zu probieren und zu kaufen.
3. Als ökologische Bildungsstätte und praktischer Pflegebetrieb bilden Lehrveranstaltungen, Seminare, Praktika, Vorträge und Wanderungen einen geeigneten Rahmen zur Wissensvermittlung.
4. Auch Streuobstprojekte in Kindergarten und Schule führen Kinder und Jugendliche an die Natur heran, bringen frühzeitig ein Verständnis für Naturkreisläufe und umweltverantwortliches Handeln.
5. Projekte zum Naturerleben auf Streuobstwiesen mit Beobachtung der Bäume im Jahresverlauf, Baumschnitt, Hilfe bei Mäharbeiten, Bau von Nisthilfen und Aufsammeln/Ernte von Äpfeln und den anderen Obstsorten liefern ein breites und sinnvolles Betätigungsfeld.
6. Jugendliche können im Rahmen von z.B. Naturschutzjugend- Freizeiten/Aktivitäten an den praktischen Naturschutz herangeführt werden und die Bedeutung heimischen Obstes schätzen lernen. So lässt sich ein persönlicher Bezug zum Lebensraum Streuobstwiese herstellen. Die Freude an der praktischen Arbeit und am gemeinsamen Naturerleben (Betrachtung der Tiere, Reinigung und Pflege der Brutstätten) stehen dabei im Vordergrund.